Leserbrief an die Redaktion der Main-Post zu dem Artikel “Schweinfurt steht auf gegen rechts” vom 27.01.2025.
Sehr geehrte Redaktion,
nach der Lektüre Ihres Artikels „Schweinfurt steht auf gegen rechts“ vom 27.01.2025 konnte ich es mir nicht verkneifen, einen Dank für die erfrischende Demonstration politischer Zwiespältigkeit auszusprechen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie etablierte Politikerinnen und Politiker sich in der Kunst des moralischen Hochseilakts üben – und dabei gelegentlich kopfüber in ihren eigenen Widersprüchen hängen bleiben.
Frau Marietta Eder von der SPD etwa warnt lautstark davor, Menschen in Schubladen zu stecken. Eine wichtige Botschaft, zweifelsohne. Wer möchte in einer Gesellschaft leben, in der vorgefasste Meinungen über den Einzelnen herrschen? Und doch, ironischerweise war es eben jene Marietta Eder, die Ungeimpfte während der Pandemie fleißig in Schubladen wie „unsolidarisch“ und „unvernünftig“ einsortierte, um anschließend den Schlüssel mit einem lauten „für die Gemeinschaft!“ konsequent wegzuwerfen. Dass diese Form von Schubladendenken damals zur sozialen Ausgrenzung und späteren gesellschaftlichen Zerreißproben führte, hat Frau Eder wohl bedauerlicherweise vergessen. Aber gut, wer Schubladen aufstellt, kann auch gelegentlich den Überblick verlieren.
Dann der Mörder von Aschaffenburg: eine Geschichte, die – wenn sie nicht so tragisch wäre – fast schon satirischen Charakter hat. Mehrfache Straftaten, dennoch auf freiem Fuß, und dies trotz der bekannten Vorfälle in der Erstaufnahmeeinrichtung in Schweinfurt. Nun, politisches Totalversagen ist offenbar auch eine Form des „bunten“ Schweinfurts, unter deren sprichwörtlichem Regenbogen jeder seinen Platz findet – sogar jene, die längst hinter Gittern sitzen sollten. Vielleicht amüsieren sich unsere Vertreter der kommunalen Politik in ihrem Elfenbeinturm einfach zu sehr, um sich mit den Konsequenzen ihres eigenen Handelns zu befassen? Anders ist dieser kollektive Realitätsverlust kaum erklärbar.
Besonders beeindruckend agiert natürlich auch Agnes Conrad (Die Linke), die es wagt, Vergleiche mit dem Naziregime zu ziehen. Eine rhetorische Figur, die selbst Rechtslaien wissen lässt: Vorsichtig – das könnte peinlich werden! Aber keine Sorge, Schlussfolgerungen aus vergangenen Urteilen wegen Volksverhetzung gelten offenbar nicht für alle. Sicherlich wurde dies mit der Kreativität und Empathie, für die man die Linkspartei bewundert, sorgfältig abgewägt.
Abschließend bleibt zu sagen: Die Kampagne „Schweinfurt ist bunt“ ist ein wunderschöner Versuch, ideologische Träumereien mit der Realität zu versöhnen. Doch während die Gutenden weiter unermüdlich an ihrer heilen Regenbogenwelt stricken, wandeln viele Bürger durch eine Gesellschaft, deren Farben oft nur noch schwarz-grau scheinen. Es wäre ratsam, weniger in grellen Populismus und symbolischen Aktionen zu investieren – und stattdessen in echte Lösungen. Denn bunte Fassade hin oder her, die Risse im gesellschaftlichen Fundament sind unübersehbar.
Ronny Grünewald, Partei „dieBasis“